Gerstensaft dank Datenkraft

Vor dem Bier fließen die Daten: Ohne die IT liefe bei der Krombacher Brauerei kein Prozess rund. Umso wichtiger ist die richtige Verkabelung – die hält zur Not auch mal ein paar Scherben aus.

Hat was auf dem Kasten: Timo Kleinsorge vom Krombacher Betriebsengineering

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Die Welt hat Durst. Zu diesem Schluss kommt jeder, der einmal über das Gelände der Krombacher Brauerei geschlendert ist. Die Kästen türmen sich hier haushoch. Kein Wunder, das Geschäft der größten deutschen Privatbrauerei läuft ausgezeichnet. Tagtäglich verlassen Millionen von Flaschen den Warenausgang. Im Jahr 2014 füllte das Unternehmen die unvorstellbare Menge von 6,58 Millionen Hektolitern ab – mit dieser Menge könnte München über vier Jahre lang ununterbrochen Oktoberfest feiern. Damit hat Krombacher natürlich nicht mehr viel mit einem kleinen Brauerei-Handwerksbetrieb gemein; mittlerweile hat hier modernste Informationstechnologie – und damit kilometerweise Kabel – Einzug gehalten. Timo Kleinsorge vom Betriebsengineering der Krombacher Brauerei erklärt: „Die Digitalisierung macht vor unserer Branche nicht halt. Ganz im Gegenteil: So gut wie alle Abläufe sind computergestützt.“ Das gelte für jeden Bereich, ob Produktion, Logistik oder Verwaltung. „Von geschäftlichen E-Mails bis zu Befehlen an die Abfüllanlagen schwirren bei uns kontinuierlich jede Menge Daten durch die Leitungen“, sagt Kleinsorge. „In naher Zukunft soll auch die Telefonie via Voice-over-IP komplett digital ablaufen. Die Hardware muss der erhöhten Datenmenge gewachsen sein.“ Es war also notwendig, die vorhandene Verkabelung an das Datenvolumen anzupassen und darüber hinaus eine Lösung zu finden, die auch weiterhin eine vernünftige Geschwindigkeit gewährleistet.

Krombacher betreibt insgesamt drei separate Netzwerke zu verschiedenen Zwecken.

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Tritt- und scherbenfest

Im Mittelpunkt der Suche stand die sichere Datenübertragung über größere Distanzen. Das Stammwerk von Krombacher bringt es schließlich auf eine stattliche Fläche von über 200.000 Quadratmetern. Drei Netzwerke verlaufen hier parallel: das EDV-Netzwerk für gewöhnliche Büroanwendungen, das Steuerungsnetzwerk der Produktion und das Sicherheitsnetzwerk für Anforderungen aus der Gebäudetechnik. Zusammengenommen kommen die verschiedenen Bereiche wie Sudhaus oder Abfüllung auf 20 wichtige Datenknoten. „Unser Netzwerk ist so weit verzweigt, dass durch die meisten Trassen gleichzeitig die Kabel verschiedener Anwendungen laufen“, sagt Kleinsorge. „Würde also irgendwo die Verbindung gekappt, hätte das weitreichende Folgen. Bei unserem Produktionsvolumen können wir uns längere Störungen nicht erlauben.“

Da viele Trassen jedoch am Boden oder in Flaschennähe verlaufen, etwa am Fließband entlang, ist es nicht hundertprozentig auszuschließen, dass jemand drauftritt oder sie sogar mit Scherben in Berührung kommen. „Herkömmliche Lichtwellenleiter sind dem nicht gewachsen“, gibt Kleinsorge zu bedenken. „Deshalb benötigen wir sehr robuste Kabel.“

Spezial mit Stahl

Krombacher ging also mit hohen Ansprüchen auf die Suche nach einem Kabeldienstleister. „Wir machten sehr genaue Vorgaben, die wir alle erfüllt haben wollten. Dazu brauchten wir einen verlässlichen Lieferanten“, sagt Kleinsorge. „So sind wir dann bei HELUKABEL gelandet.“ Das hundertprozentige Kabel lag zwar auch in Hemmingen noch nicht in der Schublade, dafür gab es aber schon einige Produkte mit Nagetierschutz. Und was Mäusezähnen widersteht, dem können auch Scherben nichts anhaben.

HELUKABEL startete Anfang 2013 für Krombacher die Entwicklung eines speziellen LWL-Kabels mit schützender Stahlummantelung. Das Ergebnis waren das Single-Mode-Kabel HELUCOM A-DQ(ZN)(SR)2Y für das EDV-Netzwerk und das Multi-Mode-Kabel HELUCOM A-DQ(ZN)(SR)2Y für den Einsatz bei kürzeren Leitungswegen wie in der Produktion. Nach dem Pilotversuch mit begrenztem Umfang wusste Kleinsorge, dass er fündig geworden war. Seit November 2013 hat Krombacher insgesamt 16 Kilometer der beiden LWL-Kabel verlegt. Geplant ist, sukzessive das gesamte Netzwerk umzustellen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Gesamtpaket“, resümiert Kleinsorge. „Auch Lieferzeit und Service sind wunderbar.“ Selbst wenn die Welt noch durstiger werden sollte: Krombacher ist vorbereitet.

In Kreuztal brauen sie was zusammen

Auf der Landkarte deutscher Braukunst sticht Krombacher vor allem durch eines heraus: Eine traditionelle Marke nach der anderen wird von Großkonzernen übernommen, doch das nordrhein-westfälische Unternehmen aus Kreuztal ist nach wie vor zu hundert Prozent in Privatbesitz. Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht: Das Krombacher Pils gehört zu den meistverkauften Bieren Deutschlands, auch die alkoholfreie Alternative ist Marktführer. Seit 2006 vertreibt Krombacher neben Bieren auch die Softdrinks Schweppes, Orangina und Dr Pepper.

Um den ausfallfreien Betrieb zu garantieren, sind die Kabel sogar scherbenfest.

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