Der Lieferdienst fürs Rollfeld

Glutenfrei, vegetarisch, koscher oder Standard – bei jedem Flug landen viele verschiedene Speisen im Servierwagen der Flugbegleiter. In das Flugzeug bringen sie Catering-Hubfahrzeuge der DOLL Fahrzeugbau GmbH.

Die Catering-­Hubfahrzeuge von DOLL bringen Essen in Flugzeuge aller Größen, wie hier in eine Boeing 747.

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Auf dem Flug von Frankfurt nach Madrid essen die Gäste der Economy-Klasse gerade ihre Nudeln mit Hähnchen, während die Reisenden der Business Class wahlweise Steak oder Kabeljau mit Kartoffeln genießen. Für die frischen Speisen sorgt ein Catering-Unternehmen. Sein wichtigster Helfer: ein Catering-Hubfahrzeug von DOLL.

Uwe Trox ist Leiter der Mechatronik bei der DOLL Fahrzeugbau GmbH in Oppenau und erklärt, wie die Speisen zum Fluggast kommen: „Die Menüs werden vom jeweiligen Catering-Dienstleister in einer Großküche, oft auf dem Flughafengelände, zubereitet. Hier werden alle Mahlzeiten gekocht, eingeschweißt, gekennzeichnet und in die Trolleys geladen, also in die Wagen, die später durch das Flugzeug geschoben werden. Dann kommt unser Catering-Hubfahrzeug zum Einsatz: Es fährt rückwärts an die Rampe der Großküche. Ist das Fahrzeug geparkt und das interne Kühlungssystem an den Strom angeschlossen, öffnen die Küchen-Mitarbeiter das Rolltor und fahren die Trolleys über die Laderampe in den sogenannten Koffer, den Container auf dem Lkw.“

Ist der Koffer beladen, macht sich der Fahrer auf den Weg zum bereitstehenden Flugzeug. Dort angekommen, werden zunächst die hydraulischen Stützen des Catering-Hubfahrzeugs ausgefahren. Diese gewährleisten, dass das Fahrzeug selbst bei heftigen Windböen sicher stehen bleibt. Nun steigt der Fahrer in den Koffer und fährt mit der gesamten Nutzlast nach oben. Ist er am Flugzeug in der richtigen Höhe angekommen, bringt er Überfahrbrücke und Geländer in die korrekte Position zur Flugzeugtür.

Per Knopfdruck fährt der mit Essen beladene Container auf dem Hubfahrzeug schnell und präzise zum Flugzeug. Michael Harter, Uwe Trox und Elektromeister Andreas Bolz (von links) demonstrieren auf dem Firmengelände von DOLL, wie einfach das geht.

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Exakter Abstand 

„Fahrzeug und Flugzeug dürfen sich auf keinen Fall berühren“, erklärt Uwe Trox. „Denn das könnte bei modernen Flugzeugen mit Hightech-Materialien zu Beschädigungen der Außenhaut führen, die ohne technische Hilfsmittel gar nicht zu erkennen wären.“ Ultraschallsensoren stellen bei DOLL-Fahrzeugen daher sicher, dass die Überfahrbrücken den geforderten Sicherheitsabstand genau einhalten. Die Zutrittsbarriere nach vorne wird erst entsperrt, wenn diese Position erreicht ist. Ein stabiles Übergabeblech überbrückt die restliche Distanz zum Flugzeug und die Trolleys können sicher hineingeschoben werden.

„Nur Flugzeuge in der Luft verdienen Geld. Deswegen muss beim Einladen alles sehr präzise und schnell ablaufen,“ sagt Michael Harter, Produktverantwortlicher Elektrik Catering bei DOLL. „Störungen verursachen hohe Kosten.“ Dann wird der Koffer wieder heruntergefahren, die Stützen eingezogen und das Catering-Hubfahrzeug fährt an die Küche, wo der Vorgang von vorne beginnt.

Etwa 40 Trolleys passen in den Koffer, der dauerhaft klimatisiert sein muss, damit die Kühlkette eingehalten wird. Erst im Flugzeug wird das Essen wieder erwärmt. „Nahezu alle großen und bedeutenden Cateringunternehmen setzen Fahrzeuge von DOLL ein“, sagt Trox. „Denn die Sicherheitsvorschriften auf den Flughäfen weltweit werden immer schärfer und unsere Technologien sind bei Personen- und Materialsicherheit führend.

Zwei Spezialkabel entwickelte HELUKABEL für den Einsatz in den Catering-Hubfahrzeugen. Auf Flughäfen weltweit müssen sie Taumitteln und UV-Strahlung dauerhaft standhalten.

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Bereit für die Welt 

Catering-Hubfahrzeuge gehören bereits seit mehr als 20 Jahren zur Produktpalette des Oppenauer Unternehmens. Anfangs als Nischenprodukt neben Fahrzeugen für Holz-, Schwertransport und Militär, entstehen die Catering-Fahrzeuge seit 2005 in Serie. In vielen Fällen stellt der Kunde das Trägerfahrzeug zur Verfügung, auf das DOLL dann den Aufbau setzt. Davon verkauft es drei verschiedene Typen: den x-cat M mit halber Fahrerkabine für das Catering kleiner Flugzeuge mit einer Übergabehöhe von weniger als eineinhalb Metern, den x-cat M mit ganzer Fahrerkabine für größere Flugzeuge mit einer Übergabehöhe von bis zu sechs Metern und den x-cat L für die größte Passagiermaschine der Welt, den Airbus A380. Diese Version kann über acht Meter in die Höhe fahren. DOLL ist einer der wenigen Hersteller weltweit, die für den Support des Airbus A380 zertifiziert sind.

„Beim Airbus A380 befindet sich die Tür im Upper Deck, über der Tragfläche“, erklärt Michael Harter. „Das bedeutet, dass der gesamte Aufbau in über acht Meter Höhe zusätzlich noch drei Meter nach vorne verschoben werden muss. Zur genauen Positionierung an der Flugzeugtür kann der Bediener die Plattform seitlich bis zu 60 Zentimeter und die Überfahrbrücke noch weitere 110 Zentimeter nach vorne ausfahren.“ Die große Übergabehöhe und die Kofferverschiebung erfordern ein besonderes Abstützkonzept. Um den vorgeschriebenen Windlasten standhalten zu können, fahren die Abstützzylinder einen halben Meter nach jeder Seite aus – in den USA, wo mit noch stärkeren Luftströmen gerechnet werden muss, sogar einen ganzen Meter.

Für den amerikanischen Markt liefert DOLL Bausätze nach Bridgeport bei Philadelphia, wo sie das Tochterunternehmen DOLL-Amerika vor Ort auf Trucks aufbaut. Die DOLL-Aufbauten können an alle gängigen Lkw-Chassis angepasst und daher auch auf öffentlichen Straßen genutzt werden. „Das ist zum Beispiel für das Catering am JFK-Flughafen in New York wichtig, wo die Großküche 40 Meilen entfernt liegt“, sagt Uwe Trox.

Die machen was mit

Seit 2015 sorgen die HELUKABEL-Typen Megaflex 500 und Multiflex 512 sowie zwei Sonderleitungen von HELUKABEL dafür, dass sich der Koffer der Catering-Hubfahrzeuge nach oben und unten, vor und zurückbewegen kann. Den Ausschlag dafür gab die Umstellung aller Fahrzeuge von einer verbindungsprogrammierten Steuerung auf eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). „Dafür benötigte DOLL Hybridkabel, die sowohl elektrische Energie als auch elektronische BUS-Signale übertragen“, erläutert Rainer Maier, Gebietsverkaufsleiter bei HELU­KABEL. „Daher entwickelten wir die beiden Sonderleitungen, die wir hinsichtlich Leitungsquerschnitt und Abschirmung speziell an die Catering-Fahrzeuge angepasst haben. Darin befinden sich auch verdrillte Paare für die CAN-BUS-Übertragung.“

Die Kabel müssen einiges aushalten: Gegen Taumittel, das an Flughäfen massiv eingesetzt wird, und UV-Strahlung müssen sie resistent sein. Zudem sind sie halogenfrei, damit im Falle eines Brandes keine toxischen Gase entstehen. „Besonders für den A380 war die Einhaltung der Biege­radien entscheidend“, betont Michael Harter. Hohe Anforderungen stellt DOLL auch an die Temperaturbeständigkeit: Bis zu minus 30 Grad müssen sie verkraften. „Denn unsere Catering-Hubfahrzeuge werden in allen Klimazonen der Welt eingesetzt“, sagt Uwe Trox. „Schließlich wollen auch Gäste, die in Sibirien ins Flugzeug steigen, etwas Leckeres essen.“

Prompt geliefert

Wer: DOLL Fahrzeugbau GmbH, Oppenau, 350 Mitarbeiter

Was: Vom Hersteller von Kutschen, Äxten und Haumessern für den Einsatz im Wald entwickelte sich das 1878 gegründete Unternehmen zum Spezialisten für Aufbauten und Anhänger für Nutzfahrzeuge. Heute ist DOLL unter anderem in den Geschäftsbereichen Holztransport, Schwertransport und Flugfeld aktiv. Catering-­Hubfahrzeuge stellt der Fahrzeugbauer seit 2005 in Serie her. DOLL ist einer der wenigen Hersteller, die für die Belieferung des Airbus A380 zertifiziert sind.