Das Verlitzen

Verzinnte Kupferdrähte werden für den Drahtzug vorbereitet. Am Ende des Drahtziehens erhält man feine und feinste Einzeldrähte.

Nach dem Herstellen der Einzeldrähte per Drahtzug werden diese zu einem Litzenleiter verseilt bzw. verdrillt, dies nennt man Verlitzen. Im Vergleich zu einem massiven Einzelleiter gleichen Durchmessers ist eine Litze sehr viel flexibler und dadurch besser vor Leiterbrüchen geschützt. Die einfachste Bauform einer Litze ist die Bündellitze. Hierfür wird ein Bündel einzelner Drähte willkürlich miteinander verdrillt. Die Einzelleiter besitzen keine feste Anordnung und ihre Lage zueinander wechselt ständig über die Gesamtlänge der Litze. Dadurch ist sie nicht besonders rund und entsprechend groß sind die Unterschiede zwischen den Stellen mit dem schmalsten und dem breitesten Durchmesser.

Eine sehr hochwertige und komplexe Litzen-Bauform ist die konzentrische Litze. Hierfür werden Drähte in mehreren Lagen um einen zentralen Draht herum verseilt. Bei gleichem Durchmesser passen genau 6 Drähte direkt um den zentralen Draht. Um diese erste Lage passen dann genau 12 weitere Drähte. Daraus ergibt sich eine fixe Anzahl möglicher Drähte in einer konzentrischen Litze, nämlich 7, 19, 37, 61 usw., je nach Anzahl der Lagen. Durch diesen Aufbau verbleiben die Drähte in ihrer Anordnung zueinander. Die Litze ist über ihre gesamte Länge annähernd gleichförmig rund und besitzt dadurch einen sehr gleichmäßigen Durchmesser.

Die Verlitzmaschine verdrillt die Einzeldrähte zu einem Gesamtleiter, der Litze. Der Kalibrierstein sorgt dafür, dass diese so kompakt wie möglich wird.

Kennen Sie die Leiterklassen?

Nach IEC 60228 (DIN VDE 0295) lassen sich Leiter je nach Flexibilität in verschiedene Klassen einteilen. Hiernach stellen massive Einzelleiter die Klasse 1. Alle anderen Klassen bestehen aus Litzenleitern, die je nach der Feinheit der Einzeldrähte an Flexibilität gewinnen:

  • Klasse 1: eindrähtig
  • Klasse 2: mehrdrähtig
  • Klasse 5: feindrähtig
  • Klasse 6: feinstdrähtig

Fragen an den Experten

Herr Mehl, worauf ist beim Verlitzen besonders zu achten?

Das Qualitätsziel bei der Herstellung eines Litzenleiters ist, diesen möglichst rund und kompakt herzustellen. Je besser dies gelingt, desto höher ist der Füllfaktor und desto geringer sind die ungenutzten Zwickelräume in der Ader. Eine konzentrische Litze erfüllt dies am besten. Nachdem man über die Bauform der Litze entschieden hat, kann man auch beim Verseilen selbst noch über verschiedene Kenngrößen Einfluss auf die Beschaffenheit der Litze nehmen. Über die Schlaglänge lassen sich beispielsweise der Durchmesser und auch die Flexibilität der Litze beeinflussen. Die Schlaglänge beschreibt die Länge einer vollständigen Drehung um die Verseilachse. Je kürzer die Schlaglänge ist, desto flexibler ist die fertige Litze.

Welchen Vorteil bietet eine konzentrische Litze bei der weiteren Verarbeitung?

Der Litzendurchmesser bestimmt, wie dick die Isolierschicht aufgetragen werden muss. Je geringer die Abweichung zwischen schmalstem und breitestem Durchmesser über die Gesamtlänge hinweg ist, desto eher kann eine dünnwandige Isolation aufgetragen werden; das spart Material und macht das Kabel im Ganzen schlanker und flexibler und somit bestens geeignet für bewegte Anwendungen.

Zur Person


Herbert Mehl ist Produktionsleiter im Werk Windsbach.